Wassertropfen

Brief an Bürgermeister Sven Stratmann und Leiter Fachbereich 3 Klaus Sandmann:

 

Sehr geehrter Herr Stratmann, sehr geehrter Herr Sandmann,

 

in der letzten Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses am 09.09.2020 wurde unter TOP 24 der Antrag des OOWV zur Wasserentnahme in Höhe von 14,3 Mio m³ Wasser/Jahr in Augustendorf behandelt.

Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass dieses in unserer eigentlich wasserreichen Region zum jetzigen Zeitpunkt zu einer intensiven und gerechtfertigten Diskussion führen würde?

Und doch kann man sowohl anhand des Diskussionsverlaufes in der Sitzung als auch anhand diverser ähnlicher Diskussionen im Oldenburger Münsterland erkennen, dass dieser Antrag kein Selbstläufer sein kann.

Zunächst einmal erachtet unsere Fraktion den Zeitrahmen für eine notwendige und ausführliche Diskussion als zu kurz. Bis zum 30.09. soll seitens der Stadt eine sachlich begründete Stellungnahme hierzu vorliegen. Weder wir als politisches Gremium im Stadtrat noch die Verwaltung der Stadt Friesoythe verfügt über das fachliche Rüstzeug, um diese Thematik in Gänze zu durchdringen und Pro und Contra hinreichend abzuwägen. Insofern fordern wir zumindest als erstes, dass vor Genehmigungserteilung eine ausführliche Information aller beteiligten und betroffenen Akteure erfolgt, und zwar nicht nur seitens des OOWV sondern auch durch einen anerkannten und unabhängigen Sachverständigen.

Dieses vorausgeschickt möchten wir trotzdem unsere Bedenken in diesem Stadium und wie oben beschrieben ohne detailliertes Sachwissen formulieren:

  • Den Entnahmezahlen der Vergangenheit ist zu entnehmen, dass in feuchteren Jahren die Entnahmemenge deutlich unter dem erlaubten Wert von 14,3 Mio m³ pro Jahr liegt. Dieses liegt in der Natur der Sache, weil dann sowohl im privaten als auch im landwirtschaftlichen Bereich der Wasserverbrauch niedriger sein muss. In der Vergangenheit war dieses auch unproblematisch, weil in der Regel nach einem oder zwei trockeneren Jahren wieder Jahre mit erheblich höherem Niederschlag folgten. Dadurch konnten sich die Reserven ohne Probleme regenerieren. Die letzten Jahre jedoch waren anhaltend trocken und heiß mit entsprechend kontinuierlich hoher Wasserentnahme. Es ist zu erwarten, dass sich dieses durch die zu erwartende weitere globale Erwärmung so weiter fortsetzen und eher verschärfen wird. Insofern können wir uns nicht vorstellen, dass wir bereits jetzt eine globale Erlaubnis zur Förderung von 14,3 Mio m³ pro Jahr für die kommenden Jahrzehnte aussprechen können.
  • Wir fragen uns, ob die Modelle mit denen die Möglichkeit der Entnahme der beantragten Menge im Antrag nachgewiesen wurde hinreichend genau sind und die zu erwartende Reduktion der Niederschläge durch die Klimaveränderung berücksichtigt. Wir können uns vorstellen, dass es einer komplexen Modellierung bedarf, um das Grundwassersystem hinreichend genau abzubilden und vorherzusagen, wie sich äußere und vor allen Dingen zukünftige Ereignisse auf den Grundwasserhaushalt auswirken. Deshalb haben wir eine große Skepsis, ob die unbedenklich möglichen Entnahmemengen hinreichend genau bestimmt werden können.
  • Es fehlt uns zum jetzigen Zeitpunkt die Information, welche Hauptverbraucher aus unserem Gebiet heraus versorgt werden. Müssen alle diejenigen, die jetzt ihr Wasser aus Augustendorf beziehen, hochwertiges Trinkwasser einsetzen? Oder können hier andere Möglichkeiten genutzt werden, um den Druck vom Wasserverbrauch allgemein und insbesondere in trockenen Jahren zu nehmen? Die Trinkwasserversorgung in unserer Region muss auch in Zukunft sichergestellt werden. Aber es liegt schon in der Begrifflichkeit, dass sauberes Trinkwasser in erster Linie hier für uns in der Region für eben diesen Gebrauch mit Priorität vorzuhalten ist, denn es ist unser wichtigstes Nahrungsmittel.

Wir möchten darüber hinaus zur Diskussion stellen, ob eine starre maximale Fördermenge sinnvoll ist, oder ob nicht vielmehr ein „atmender Deckel“ bestimmt und vorgegeben werden kann. Die im Jahr erlaubte maximale Fördermenge könnte anhand der in den Vorjahren gefallenen Niederschlagsmenge im relevanten Einzugsbereich des Wasserwerkes bestimmt werden. Dadurch könnte flexibel darauf reagiert werden, wenn durch längere Trockenphasen eine starke Absenkung des Grundwasserspiegels zu befürchten ist mit entsprechend negativen Auswirkungen auf Landwirtschaft und die Natur. Jedem Akteur muss dann klar sein, auch privaten Nutzern, dass in diesen Jahren mit reduzierter Fördermenge Verbote für übermäßige Nutzung folgen könnten.

Dieses setzt hinreichend genaue Modelle zur Bestimmung der erlaubten Wasserentnahme voraus. Sollte dieses nicht möglich sein ist zu diskutieren, ob die erlaubte Fördermenge auf einen niedrigeren Wert gesetzt wird, z.B. auf den Mittelwert der Fördermengen der letzten 20 Jahre. Weiterhin könnte die Erlaubnis für die Förderung für einen geringeren Zeitraum erteilt werden, z.B. 5 Jahre, um die weitere Entwicklung zu beobachten.

Darüber hinaus denken wir, dass bezüglich einer sicheren Wasserversorgung unserer Region in der Zukunft noch ganzheitlicher gedacht werden muss.

Die Wasserentnahme ist ein Aspekt, aber wie verhält es sich mit der Wasserspeicherung des Oberflächenwassers sowie der Wasserableitung in der Fläche? Ist das Entwässerungssystem in unserer Region noch zeitgemäß? Ist es sinnvoll darüber nachzudenken, einzelne Abwassergräben zu verfüllen? Oder mittels automatisierter Schleusen den Wasserabfluss intelligent zu steuern und damit den oberen Grundwasserspiegel zu beeinflussen, wie dieses zum Beispiel in Holland schon Stand der Technik ist?

Wir denken deshalb, dass hier ein umfassenderes Wassermanagement notwendig ist. Dieses ist nicht von einer Kommune alleine zu leisten, sondern im Zusammenspiel aller Akteure. Aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um die Weichen dafür zu stellen.

Wir werden diese Stellungnahme auch der örtlichen Presse als Pressemitteilung zur Verfügung stellen.

 

Für die CDU/FDP Fraktion

 

 

Dr. Matthias Lamping                                   Karl-Heinz Krone